Wenn sich Sichtweisen und Standpunkte im Kreis drehen, erscheint es oft, als gäbe es keine Lösung. Ein Wort ergibt das andere, dieselben Argumente wiederholen sich immer wieder. Immer wieder das gleiche Muster. Teufelskreis. Stillstand. Manchmal ist man dann mit seinem Latein am Ende, weil sich keine Lösung abzeichnet, egal was man meint versucht zu haben. Das frustriert und lässt ohnmächtig fühlen. Das hast du sicher auch schon öfter mal erlebt.

Ich kann dir jedoch versichern, es gibt immer eine Lösung: nämlich aus dem Kreislauf auszusteigen und ganz etwas anderes zu machen, als du bisher gemacht hast. Etwas, was in deinem persönlichen Handlungsspielraum liegt.

 

Im Spannungsfeld.

Kürzlich erzählte mir Elisabeth in einem Coaching genau von einer solchen Situation. „Ich stehe zwischen zwei Stühlen, denn zwei meiner Teamleiterinnen kommen miteinander nicht aus. Die eine, Judith, ist schon seit 10 Jahren im Unternehmen, die andere, Anna, erst kürzlich dazugekommen. Sie ist eine Quereinsteigerin und hat sich in der kurzen Zeit bereits sehr gut integriert. Sie lernt fachlich schnell, und macht, wie ich finde, einen guten Job. Das Problem ist nun, dass Judith Anna nicht akzeptiert, weil sie nicht vom Fach ist. Die beiden müssen jedoch sehr eng zusammenarbeiten. Ich habe schon alles Mögliche versucht, um die Situation zu entschärfen und merke, ich schaffe es nicht. Wir drehen uns im Kreis und ich will raus aus dem Teufelskreis! Die Situation kostet mich ganz viel Energie. Wie kann ich vor allem Judith dazu bewegen, anders zu denken und sich zu verhalten?“

 

Nutze deinen Handlungsspielraum!

Bevor du viel Energie hineinsteckst, andere dazu zu bewegen, etwas anders zu machen, empfehle ich dir, zunächst mal bei dir selbst anzufangen. Nutze deinen eigenen Handlungsspielraum! Denn in diesen Handlungsspielraum bist du nicht abhängig von dem, was andere sagen oder tun. Du hast ihn zu 100% in deinem eigenen Einflussbereich. Es ist der Bereich, in dem nur du entscheidest, wie du z.B. über eine Situation oder andere Menschen denkst, ob du dich ärgerst oder freust, ob du dich zurückziehst oder in Aktion trittst, ob du im Teufelskreis mitmachst oder aussteigst.

„Was macht denn den Teufelskreis aus“, habe ich Elisabeth gefragt, „welche Aussagen und Situationen passieren immer wieder in derselben Art und Weise?“ „Zum einen geht es immer um Annas fehlende Kompetenz und Erfahrung, die Judith kritisiert.“, sagt Elisabeth. „Zum anderen spricht sie immer davon, wie toll die Vorgängerin gewesen wäre, die schließlich selbst gekündigt hatte. Es sind immer dieselben Argumente. Mittlerweile kritisiert sie Anna auch bereits ganz offen im Team und macht Stimmung gegen sie. Ich kann das alles nicht mehr hören!“ „Was hast du denn schon alles probiert?“, fragte ich Elisabeth. „Ich habe mehrfach versucht, Judith mit viel Verständnis zuzuhören und sie zu bitten, Anna zu akzeptieren. Ich habe ihr auch gesagt, warum ich sie an Bord geholt habe und dass sie einige Qualitäten mitbringt, die wir in Zukunft im Team benötigen werden. Momentan habe ich allerdings das Gefühl, es macht alles nur noch schlimmer.“, seufzte Elisabeth.

„Welche Möglichkeiten, die in deinem Handlungsspielraum liegen, hast du noch nicht genutzt“, fragte ich Elisabeth. Sie sieht mich fragend an und sagt dann: „Am liebsten würde ich sagen, dass ich dieses Verhalten nicht dulde, aber kann ich das denn tun? Würde das etwas ändern?“ 

Ja, natürlich verändert es etwas. Und natürlich kann Elisabeth das tun. Sie muss es sogar tun! Denn Judiths Verhalten untergräbt auch Elisabeths Führungsrolle, in dem sie ihr die Kompetenz für Personalentscheidungen abspricht. Elisabeth hat aus guten Gründen die Entscheidung für Anna getroffen und es ist nicht Judiths Aufgaben oder Verantwortung, diese Entscheidung in Frage zu stellen, denn sie ist selbst Elisabeths Mitarbeiterin. Natürlich darf sie dazu ihre persönliche Meinung haben. Das ganze Team gegen Anna – und damit implizit auch gegen Elisabeth – mithineinzuziehen, überspannt aber in jedem Fall den Bogen und übersteigt Judiths Kompetenzrahmen und Handlungsspielraum.

 

Haltung beziehen

Für Elisabeth ging es also darum in dieser Geschichte Haltung zu beziehen und klare Worte zu finden. Also bereiteten wir im Rahmen des Coachings ein Gespräch zwischen Elisabeth und Judith vor, um den Teufelskreis zu beenden.

Zwei Tage nach dem Coaching suchte Elisabeth wieder das Gespräch mit Judith und fand diesmal sehr klare Worte, was sie sich von Judith erwarte und welches Verhalten sie in Zukunft nicht mehr tolerieren werde. Verständnis für Judiths Verhalten hatte sie keines mehr. Judith war sehr erstaunt über Elisabeths ungewöhnlich klare Worte, da sie ja bisher durchaus Verständnis für ihre Sichtweise bekommen hatte. Das war bislang Wasser auf ihre Mühlen. Ihr Verhalten Anna gegenüber hat sich seither konstruktiv verändert und auch die Stimmung im Team ist zur Ruhe gekommen. 

Folgende Fragen haben Elisabeth beim Ausstieg aus dem Teufelskreis geholfen

Notiere dir deine Antworten, wenn du die Fragen für dich durcharbeitest:

  • Was ist deine Haltung gegenüber der Situation? – Nervt sie dich oder hast du dafür Verständnis? Oder beides? Und wenn ja, warum?
  • Was kannst und musst du an deiner inneren Haltung ändern, um eine Veränderung im Außen zu bewirken?
  • Welche konkreten Erwartungen hast du, wenn es um das Verhalten von jemand anderen geht und welchen Beitrag kannst du leisten, dass jemand anderer diese Erwartung auch erfüllen kann?
  • Was hast du schon alles zur Problemlösung probiert und was hat nicht funktioniert?
  • Was hast du noch nicht probiert – und warum hast du es noch nicht probiert?
  • Was würde dir eine Kollegin raten, wenn sie in deiner Situation wäre?

Ich wünsche dir viel Erfolg beim Andersmachen!

Deine Karin 

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