Dieser Satz hat vor Jahren dafür gesorgt, dass ich mich mit meinem persönlichen Führungsverständnis auseinandergesetzt habe. Dir möchte ich heute auf den Weg geben, dass es Sinn macht, das für sich zu tun. Denn dadurch wirst du nicht anfällig für Einflüsterer von außen, die glauben zu wissen, wie man’s richtig macht.

Aber lass mich dir mal die ganze Geschichte erzählen. Die Geschichte des Abends, als ich unerwartet in meine Führungsrolle kam. An diesem Abend waren mein damaliger Mann und ich mit einem befreundeten Pärchen essen. Wir saßen gemütlich beim Italiener und stießen mit herrlichem Rotwein auf meine so unerwartete Beförderung an. Lachend sagte ich: „Ich muss dann mal schauen, wie ich diese neue Führungsaufgabe angehen werde, momentan habe ich noch wenig Plan.“Plötzlich bekam unser Freund – damals selbst Führungskraft – einen harten Gesichtsausdruck. Er erhob sich von seinem Stuhl, hob die Hand und lies sie mit voller Wucht mitten auf den Tisch sausen. Wir anderen versuchten unsere Gläser zu retten und wichen äußerst irritiert zurück: „Als Chef musst du auf den Tisch hauen“, rief er wütend, „sonst wirst du von allen verarscht. Du musst ihnen zeigen, wer die Hosen anhat, sonst kannst du gleich wieder einpacken.“ Die Leute an den anderen Tischen blickten zu uns herüber. Ich war verstört: musste es denn wirklich sein, dass man quasi auf den Tisch hauen und in dieser Form seine Macht demonstrieren musste?Ich war gar nicht überzeugt und sagte: „Hm, wenn das der einzige Weg zu führen ist, dann werde ich ihn nicht gehen können.“ Innerlich zitterte ich und war verunsichert. Bis heute ist mir dieser Abend in lebhafter Erinnerung geblieben.

Hart oder weich? Oder ganz anders?

Härte wird oftmals auch mit Klarheit verwechselt. Es kann durchaus hart wirken, einen Standpunkt oder eine Entscheidung durchzusetzen. Doch das ist manchmal nötig. Je klarer du selbst bist, desto weniger brauchst du Machtgebärden, wie ein „Auf-den-Tisch-Hauen“. Und mit Klarheit meine ich vor allem eine innere Klarheit: darüber, was ein Standpunkt oder eine Entscheidung mit jemand anderem machen wird. Wie du deine Inhalte kommunizierst und welchen Rahmen du dafür gestaltest und welche Worte du wählst. Ob du andere mit ins Boot holst und bedenkst, welche Konsequenzen du und andere vielleicht zu tragen haben. Auf das WIE du etwas machst, kommt es an.

In meinen Jahren als Führungskraft habe ich gelernt, dass es um die Beziehungen zu den Menschen geht. Sind diese gut gepflegt und vertrauensvoll, dann geht vieles leichter – und zwar für alle Beteiligten. Dann braucht es keine Macht und Härte denn dann entsteht eine natürliche Autorität. Sie entsteht dann, wenn du jemandem vertrauen kannst. Wenn du es schaffst, dass dir die Menschen, die du führst, in jeder Hinsicht vertrauen, hast du fast schon gewonnen. Dann kannst du deine Energie für Wichtigeres verwenden, als dafür, auf den Tisch zu hauen, um dir Respekt zu verschaffen. Es ist also ein Mythos aus wahrscheinlich vergangenen Zeiten, hart sein zu müssen, um gut führen zu können. Nie hätte ich es gutgeheißen, wenn einer meiner ehemaligen Chefs so mit mir umgegangen wäre.  Nach diesem Abend hatte ich für mich ganz klar: ich wollte mit anderen so umgehen, wie ich selbst wollte, dass andere mit mir umgingen. Dazu musste ich die Menschen in meinem Team erstmal gut kennenlernen und mich zeigen – mit meinen Stärken und meinen Schwächen. Kurz: Vertrauen zu schaffen.

Wozu ich dich heute ermutigen möchte: lege deinen Fokus darauf, das Vertrauen in deinem Team zu steigern! Es ist einfacher, als du denkst. Und du wirst mit so viel Freude, Vertrauen und Anerkennung belohnt werden, dass du es gar nicht glauben wirst.

Auf geht’s, es lohnt sich. Immer!

 

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